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Ludwig Feuerbach
(1804-1872), der vielleicht berühmteste
Religionskritiker des 19. Jahrhunderts, der, obwohl
gescholten als Atheist, nie die Existenz Gottes
verneinte im Sinne eines Konstrukts menschlicher
Vorstellungskraft, wohl aber im Sinne des Schöpfers,
verstand seine Religionskritik als Fortsetzung des
Aufklärungsprozesses, der durch die Restauration in
Deutschland empfindlich getroffen worden war.
Im
Unterschied zur französischen Aufklärungsphilosophie und
zum deutschen Idealismus entlarvt er religiöses,
abhängiges Bewußtsein und theologischen Dogmatismus als
Herrschaftsinstrumente des Establishment, das seine
Macht nur erhält durch die fortgesetzte Entmündigung des
um seine leibliche Existenz kämpfenden Menschen in der
bürgerlichen Konkurrenzgesellschaft. Entmündigtes
Bewußtsein ist unterdrücktes Bewußtsein und wird nicht,
wie Hegel behauptet, automatisch vom Weltgeist oder
Aufklärungsprozeß mitgeschleift. Daher muß es von
Vormündern befreit werden und, wie Marx im Anschluß an
Feuerbach fordert, in den politischen Diskurs um die
Verteilung der Macht integriert werden. Die
Religionskritik Feuerbachs hat in Zeiten expandierenden
religiösen Fundamentalismus ihre Aktualität nicht
eingebüßt und fordert auf zur Toleranz gegenüber
Religionen, Kulturen und Weltanschauungen. Diese
Toleranz muß dialogisch-diskursiv erlernt werden.
Daher
lädt die Internationale Gesellschaft der Feuerbach
Forscher zu diesem Diskurs ein und etabliert hier ein
Forum des wissenschaftlichen und interessierten
Austausches philosophischer Gedanken im Dienst der
"Sache der Menschheit". |